Neubauwohnungen für Fledermäuse - Bronchicum und die Stiftung Unternehmen Wald helfen Bechsteinfledermaus, Langohr und Co.

Dass die Wälder der Innleite zwischen Gars und Stampfl hervorragende Jagdgebiete für Waldfledermäuse darstellen, war Fledermausexperten schon lange bekannt. Nun konnte auch das Quartierangebot für die nächtlichen Insektenjäger verbessert werden. Denn das Kloster Gars und die Bayerischen Staatsforste waren bereit, in ihren Wäldern Fledermauskästen anbringen zu lassen. 20 von 92 Rund- und Flachkästen, die von der Stiftung Unternehmen Wald aus Mitteln der Aktion „Bronchicum – Naturstark gegen Husten. Naturstark zum Wald“ für oberbayerische Waldgebiete zur Verfügung gestellt wurden, hat Dr. Andreas Zahn von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in der letzten Woche im Hangwald über dem Inn angebracht. Die Auswahl geeigneter Standorte erfolgte zusammen mit Bruder Vitus vom Kloster Gars und Monika Löffelmann, Revierleiterin des Forstbetriebs Wasserburg.
Waldfledermäuse leiden unter Wohnungsnot. In vielen Wäldern mangelt es an hohlen Bäumen, denn bei Durchforstungsmaßnahmen werden schadhafte Stämme meist als erste entfernt. Bechsteinfledermaus, Langohr und Verwandte, die als nächtliche Insektenjäger eine wichtige Rolle im Lebensraum Wald spielen, benötigen aber hohle Bäume als sichere Tagesverstecke. Durch Fledermauskästen wird nun für die Waldfledermäuse in Gars und Umgebung das Quartierangebot verbessert. Zum Einsatz kommen „Rundkästen“, die einen Ersatz für Spechthöhlen darstellen, und „Flachkästen“, die eher einer Spalte hinter der abplatzenden Rinde absterbender Bäume ähneln. Die Kästen erlauben es auch, die Fledermausfauna des Inntals besser kennen zu lernen. Denn bisher ist nicht genau bekannt, welche der rund 10 Waldfledermausarten die Wälder bei Gars und Stampfl bewohnen. Durch die regelmäßige Kontrolle der Kästen will die Koordinationsstelle für Fledermausschutz in den nächsten Jahren das Artenspektrum erfassen.
Im Gegensatz zu Vogelnistkästen kann es jedoch einige Zeit dauern, bis die Kästen angenommen werden. Denn die Fledermäuse, die sich ja bei ihrem nächtlichen Flug durch eine Ultraschall–Echoortung orientieren, müssen erst lernen, dass eine an einem Baumstamm geortete „Beule“ ein Quartier darstellt. Haben dies einmal einige Tiere herausgefunden, locken sie meist schnell Artgenossen an, so dass die Besiedelung dann zügig voranschreitet. Die Koordinationsstelle hofft, dass in wenigen Jahren bekannt ist, welche heimlichen „Untermieter“ die Hangleitenwälder am Inn beherbergen. Koordinationsstelle für Fledermausschutz 1985 wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) das “Artenhilfsprogramm Fledermäuse” ins Leben gerufen. Zur Durchführung wurden zwei Koordinationsstellen für den Fledermausschutz in Nord- (Universität Erlangen) und Südbayern (Universität München) eingerichtet, die für die Erfassung von Fledermausbeständen, die Erarbeitung von Schutzkonzepten, die fachliche Beratung von Behörden und die Betreuung ehrenamtlicher Fledermausschützer verantwortlich sind.